Kugelschreiber + Papier

So gelingt Homeschooling auch bei Ihnen

Nachdem seit gestern Schulen und Kitas flächendeckend geschlossen wurden, müssen viele Eltern Ihren Kindern das Lernen zu Hause ermöglichen. Das klingt einfacher als es ist. Gerade weil viele Lehrer, ebenso wie viele kommerzielle Weiterbildner immer noch wenig Ahnung vom eLernen und Homeschooling haben. –
Hilfe werden Sie deshalb auch bei den Lehrern nicht unbedingt finden.

Tipps für Ihren Homeschooling-Alltag

Doch mit folgenden Tipps können Sie sich und Ihren Kindern das Leben und Lernen erleichtern:

  1. Schaffen Sie einen Lernraum.
  2. Schreiben Sie einen Stundenplan.
  3. Klären Sie Beratungszeiten mit den zuständigen Lehrern.
  4. Stimmen Sie Lerntests ab.
  5. Setzen Sie Ziele – in Abstimmung mit den zuständigen Lehrern.
  6. Variieren Sie die Tätigkeiten.
  7. Lehren und planen Sie individuell.
  8. Ermöglichen Sie persönliche Projekte.
  9. Planen und genießen Sie Familien- und Pausenzeiten.
  10. Setzen Sie Technik bedacht ein.

Schaffen Sie einen Lernraum

Es ist schwierig am Küchentisch zwischen den Frühstücksresten oder auf dem Wohnzimmertisch zwischen den Spielmaterialien zu lernen. Insbesondere die Konzentration leidet.
Daher ist es wichtig, Ablenkungen (wie Fernseher, Radio oder Handy) möglichst auszuschalten und für das Kind eine Einstimmung auf das Lernen zu schaffen.
Wo kein eigener Schreibtisch vorhanden ist, helfen z.B. Rituale eine Lernatmosphäre zu entwickeln. Das gemeinsame Freiräumen des Küchen- oder Wohnzimmertisches können solche Rituale schaffen, die eine Einstimmung auf das Lernen einleiten.
Besser, wenn Sie eine Ecke zum Lernen schaffen, die für das Kind eingerichtet wird mit all dem, was das Kind braucht.

Schreiben Sie einen Stundenplan

Vermutlich müssen Sie jetzt ein paar Wochen ein Lernen zu Hause ermöglichen. Deshalb ist es wichtig den Alltag vernünftig zu organisieren. Klar geregelte Abläufe und Intervalle erleichtern den Alltag, weil sie das Treffen von kraftraubenden Einzelentscheidungen vermeiden.
Stundenpläne, die auch Tätigkeiten wie gemeinsames Essen, Aufräumen, Spielen… und ähnliches mehr planen, schaffen Gewohnheiten. Das Leben ist der Himmel, wenn wir die richtigen haben, aber die Hölle, wenn wir die falschen haben, behauptet ein bekanntes Zitat. Das ist tatsächlich so. Gewohnheiten – einmal etabliert – werden Ihnen viele Diskussionen ersparen.
Ob Sie dabei in halben Stunden, Stunden oder dreiviertel Stunden planen, das bleibt Ihnen überlassen. Solche Intervalle helfen, Tätigkeiten zu variieren.

Klären Sie Beratungszeiten mit den zuständigen Lehrern

Kinder nur mit Heimaufgaben nach Hause zu schicken, ist schwierig. Vieles erklärt sich nicht von selbst. Mal muss geklärt werden, wie eine Frage oder Aufgabe zu verstehen ist.

Aufgaben könne durchaus per Mail eingereicht und Korrekturen können durchaus per Mail zurückgeschickt werden. Doch immer wenn es um das Verständnis geht, aber auch um Sicherheit und Zuverlässigkeit, dann ist vom Lehrer mehr gefordert. Daher sollten regelmäßige Beratungszeiten abgesprochen werden. Im kommerziellen Training ist das bei online-Angeboten üblich. Das können tägliche Beratungsstunden sein, aber auch Ansprechtage ein- oder zweimal die Woche. Je nach Bedarf. Fordern Sie das auch beim schulischen Fernlernen ein.

Stimmen Sie Lerntests ab, setzen Sie Ziele

Um sinnvoll zu arbeiten und zu lernen, braucht es Ziele. Der Unterricht muss ja auch öffentliche Lehrpläne aufgreifen. Daher sollten Sie sich mit den Lehrern über Lernziele abstimmen und ggf. auch Wissenstests zur Lernkontrolle vereinbaren. Dort können Sie auch erfahren, ob sich das Selbstbild Ihres Kindes mit der Wahrnehmung des Lehrers deckt.

Andererseits ist es ebenso wichtig, die Kinder mit einzubinden in die Lernpläne. Prüfen Sie, ob Wissenslücken vorliegen. Fragen Sie nach Wünschen und Unsicherheiten. Daraus ergibt sich dann, welcher Stoff in der nächsten Zeit zu bearbeiten ist. Je kleiner das Kind, desto mehr müssen Sie sich einbringen.
Bei mehreren Kindern, können Sie auch die Älteren in die Betreuung mit einbeziehen. Das schult nebenher die sozialen Fähigkeiten und vertieft das Wissen der Kinder.

Variieren Sie die Tätigkeiten

Fachliteratur hilft
Einführung ins ganzheitliche Lernen. Bild: C.G.

Eine der Aufgaben guten Unterrichtens ist, den Lernenden immer wieder aufnahmefähig zu machen. Wie wichtig das ist, merken Sie, wenn Sie schon einmal erlebt haben, wie dicht wir sein können, wenn zu viele Informationen auf uns einstürzen. Suggestopäden arbeiten deshalb mit dem Konzept der Rhythmisierung. Sie können mehr dazu bei der DGSL e.V. erfahren oder in folgenden Büchern:
Trainieren mit Herz und Verstand (GABAL Verlag),
Spiele und Methoden für ein Training mit Herz und Verstand (GABAL Verlag) oder
Spielend Wissen festigen: effektiv und nachhaltig (Beltz Verlag).

Methodensammlung
Methoden für abwechslungsreiches Lehren. Bild: C.G.

Aus diesem Grund sollten Sie die Tätigkeiten variieren: Auf eine digitale Tätigkeit, z.B. eine Recherche am Computer, folgt eine analoge, wie das Arbeiten mit Büchern am Computern. Sie können auch ein Experiment planen, (Lern-)Spiele spielen, Vorlesen, Lehrgespräche führen… Variieren Sie stille Lernzeiten mit geselligen Aktivitäten.

Methoden und Anregungen finden Sie in der Buchhandlung, der Stadtbücherei oder online.

Methodensammlung
Bild: C.G.

Und beschränken Sie die Lernzeit. Vier bis sechs Stunden je nach Alter sind reichlich.

Lehren und planen Sie individuell

Jeder Mensch, jedes Kind lernt anders. Darauf geht das sogenannte Lernkanal– oder Lerntypen-Konzept ein. Manche brauchen verbale Unterstützung, andere visuelle Hilfen, wie Bilder, Filme, Graphiken und wieder andere sind kinästhetisch veranlagt. Sie müssen selber machen können.
Das können Sie sich ncht vorstellen?
Das Gewicht eines Gegenstandes können Sie weder akustisch noch optisch lernen. Gewicht erfährt man durchs Tun. In diese Kategorie gehört auch das Auto- oder Fahradfahren. Diese Tätigkeiten lernen Sie nur durch Tun. Das Lerntypenkonzept vertritt die Ansicht, daß Menschen individuell stark ausgeprägte Lernkanäle haben.
Darauf sollten Sie Ihre Hilfen und Lehrangebote abstimmen.

Aber auch die biologische Uhr spielt individuell eine Rolle. Manche Menschen sind Eulen, andere Nachtigallen. Auch diese Bedürfnisse gilt es zu berücksichtigen.

Ermöglichen Sie Freizeit für persönliche Projekte

Nicht nur im Lernen, auch beim Homeoffice gilt: Planen Sie nicht den ganzen Tag durch. Lassen Sie sich und anderen Freiraum für persönliche Interessen, ob das Handarbeiten, Handwerken, Lesen, Puzzeln, Malen … ist. Das muss jedem selbst überlassen sein. Wichtig ist, die Projekte sollten Spaß machen.

Planen und genießen Sie Familien- und Pausenzeiten

Essen, Kochen, Spielen, gemeinsam Fernsehen oder Familienkaraoke … Familienzeiten sind wichtig. Sie schaffen ein Wir-Gefühl, sie nehmen Druck aus dem Kessel. Man kann rumalbern und nimmt sich und die anderen nicht mehr so wichtig. Planen und genießen Sie das.

Aber berücksichtigen Sie auch, ausreichend Pausen zu machen. Auch Sie selbst. Pausen helfen, sich zu regenerieren. Darauf haben auch Sie ein Recht, nicht nur Ihre Kinder. Achten Sie auf Auszeiten für jeden – auch für Sie selbst!

Setzen Sie Technik bedacht ein

Die Kinder vor dem Fernseher oder Computer zu parken, das ist bequem, doch klug ist es nicht. Versehen Sie die Nutzung digitaler Angebote mit Aufgaben. Starten Sie Recherchewettbewerbe. So wird aus dem TV-Konsum und der Computerzeit ein nützlicher Konsum.

Und nun wünsche ich Ihnen viel Erfolg bei diesem Projekt.

Mehr Informationen gerade zum Homeschooling finden Sie auch bei bei dem Verein Homeschoolers.at.

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