Ist-Zustand, Folgen und drohende Verschärfung durch Neubauten

Wie muss ich mir das Projekt vorstellen?

Strundorf, der östliche Teil der Bergisch Gladbacher Hauptstraße, leidet seit Langem unter hoher Lärmbelastung durch Verkehr auf der oberen Hauptstraße (L 288). Bewohner berichten von einer enormen Lärmbelastung. Eine Einschätzung, die durch die öffentliche Lärmkartierung bestätigt wird: Offizielle Messungen am Straßenrand bestätigen einen Lärmpegel von 70–74 dB(A), die unter der Höchstbelastung von >75 dB(A) ausweisen. – Das sind Werte, die weit über den empfohlenen Grenzen des Umweltbundesamts liegen (tags 65 dB, nachts 55 dB).

Diese Belastung resultiert aus dem hohen Durchgangsverkehr Richtung Herrenstrunden ins Bergische Land, verstärkt durch den Schluchteneffekt, den eine enge Bebauung erzeugt.

Gesundheitliche und psychische Belastungen

Die Folgen sind gravierend: Chronischer Verkehrslärm führt zu Schlafstörungen, erhöhtem Stress, Bluthochdruck und langfristig zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Studien des RKI und Umweltbundesamts belegen.
Zu den psychischen Folgen im Alltag gehören: Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen und sozialer Rückzug – Effekte, die besonders Kinder und Ältere trifft. In Strundorf verschärfen seit Jüngerem aufkommende Drogenprobleme und Verfall den Druck, wie die Strundorfer Bürgerinitiative beklagen.

Hat die Stadt gehandelt? Der Lärmaktionsplan

Der Lärmaktionsplan (LAP 2025) der Stadt fordert (eigentlich) eine Reduzierung der Belastung. Dazu wären Maßnahmen wie Tempo 30 oder Schallschutz. notwendig.

Doch trotz des Lärmaktionsplans (LAP, Runde 4, 2025) fehlen seit Jahren konkrete Maßnahmen für die obere Hauptstraße. Der Plan adressiert auf dem Papier die Hauptverkehrsstraßen, fordert Tempo 30, Lärmschutz und Asphalt, doch für die obere Hauptstraße und insbesondere den strundorfer Abschnitt gibt es keine umgesetzten Projekte – nur Beteiligungsrunden ohne greifbare Ergebnisse. Die Stadt bittet um Bürgerhilfe, statt aktiv zu sanieren wie in-gl berichtet.

Warten Richtung Kürten

Drohende Verschärfung durch Neubauten

Zwei Projekte werden die ohnehin schon extreme Situation weiter verschärfen: Das „Strundorfer Monster“ ( ein riesiges Wohnhaus am Strundepark, >100 Einheiten) und ein sogenanntes Studentenwohnheim, das faktisch ein Asylbewerberheim (Hauptstraße 378, 80 Plätze) sein soll.

Die Anwohner können sich auf folgende Effekte einstellen: 

  • Steigendes Verkehrsaufkommen: Pro Wohneinheit 6–10 Kfz-Fahrten/Tag; bei 150–200 neuen Einheiten plus Pendler: +900–2.000 Fahrten/Tag. Der schon jetzt extreme Parkmangel wird steigen um geschätzt 20–50%. Und wo werden die Neubürger parken? In den Nebenstraßen, also v.a. Heiligenstock und Sonnenweg. Aber auch die benachbarten Firmen entlang der Kürtener Straße könnten die zusätzliche Parkbelastung spüren durch Fremdparker auf ihrem Gelände.

  • Lärmpegel: Bei einer prognostizierten Verdopplung des Verkehrs (Faustregel UBA) wird der Lärmpegel relativ zuverlässig geschätzt um +3 dB  steiten. Doch die obere Hauptstraße ist durch eine enge Bebauung beidseits der Straße geprägt. Beide Bauprojekte rücken direkt an die Straße heran, der schon bestehende Schluchteneffekt wird verstärkt durch neue Fronten. Die faktische Lärmbelastung vor Ort dürfte also um +3–7 dB steigen. Insgesamt wird es für die Anwohner spürbar lauter (empfunden vermutlich doppelt so laut als bisher). Besonders zynisch: Die Genehmigungsverfahren sehen Lärmschutzmaßnahmen für die Neubewohner vor, nicht für die Altstrundorfer.

  • Abgase und Feinstaub: Proportional zum Verkehr steigen, werden NO₂ und PM10 ( geschätzt um +10–30%). Dabei dominieren Reifen- und Bremsabrieb (90% PM). Das wird Lungenkrankheiten fördern. Die verschärften Grenzwerte ab 2030 werden mit zu großer Sicherheit gerissen.

  • Nebenstraßen (Heiligenstock, Sonnenweg, Dombach-Sander-Str.): So mancher Bürger glaubt, die Belastung beträge nur die Hauptstraße. Doch auch die Nebenstraßen werden die Neubauprojekte spüren. Zu erwarten ist eine Zunahme des Verkehrs  um +15–40%, denn die Neubewohner werden dort Parken und die Schleichwege nutzen, um die Hauptstraße zu umgehen. Es wird mehr Stop-and-go auch auf Heiligenstock, Sonnenweg und in der Dombach-Sander-Straße geben. Die Belastung durch Lärm und Feinstaub werden auch hier steigen – ähnlich der Strundepark-Erweiterung.

Straße Zuwachs Vorstellung vor der Haustür
Heiligenstock +20–40% Durchfahrtverkehr wächst. Autos parken dicht an dicht, Stoßzeiten enger. Mehr Bremsen, mehr Slalomfahren, steigende Gefahr für Fußgänger und Kinder. Feinstaub sicht- und riechbar.strundetaler
Sonnenweg +15–30% Durchfahrtverkehr wächst. Mehr Parklückenjagd. Lärmbelastung steigt, Feinstaub riechbar.in-gl
Dombach-Sander-Str. +10–25% Schleichweg bei Hauptstraßen-Stau. Mehr Verkehrsbelastung, mehr Slalomverkehr, Mehr Lärm, Mehr Feinstaubbelastung. Steigende Gefahr für Fußgänger und Kinder.

Wie wird sich das anfühlen?

Auf dem Heiligenstock: Kein freier Platz mehr auch über die Kreuzung Sonnenweg hinaus, Wachsender Lärm, noch mehr Stopp-and-Go, Gefahr für Fußgänger und Kinder. Die Feinstaubbelastung wird sich der der Hauptstraße annähern.

Auf dem Sonnenweg: Die Parkbelastung wird auch auf dem Sonnenweg wachsen, das Parken in den Parkverbotszonen wird steigen. Der Lärm wird steigen, Stopp-and-Go auch hier, Gefahr für Fußgänger und Kinder, v.a. für spielende Kinder. Die Feinstaubbelastung wird steigen.

In der Dombach-Sander-Straße: Das Verkehrsaufkommen wird auch hier signifikat steigen, denn hier bietet sich eine Abkürzung Richtung Moitzfeld/Autobahn. Damit steigt die Lärmbelastung, die Feinstaubbelastung und die Gefahr für Fußgänger und Kinder, vor allem jede des Waldkindergartens.

Bürgerinitiative Strundorf – Engagement vor der Wahl entscheidend

Angesichts der massiven Auswirkungen für Nachbarschaft, Verkehr und Umwelt hat sich frühzeitig eine Strundorfer Bürgerinitiative gebildet, die das Bauvorhaben kritisch begleitet. Schon vor der Kommunalwahl ist ihr Engagement besonders wichtig, um Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen:

  • Gründung und Vernetzung: Die ersten Treffen der Initiative fanden bereits im August 2025 statt, Monate bevor das Projekt öffentlich diskutiert wurde. Ziel war es, Probleme wie Verkehrsbelastung, Hochwassergefahr und bauliche Verdichtung gemeinsam zu identifizieren und Strategien für das Vorgehen zu entwickeln. (strundetaler.de)

  • Öffentliche Sichtbarkeit: Das Projekt „Strundorfer Monster“ wird im Blog des Strundetaler aufbereitet, um Nachbarn zu informieren und Diskussionen anzustoßen. (strundetaler.de)

  • Dialog mit Politik: Bereits im Spätsommer 2025 forderte die Initiative von lokalen Parteien konkrete Antworten zu Verkehr, Lärm und Hochwasserschutz ein, lange bevor die Wahlentscheidungen getroffen wurden. (in-gl.de)

  • Einbindung der Nachbarschaft: Umfragen und Informationsweitergabe sollen eine breite Beteiligung ermöglichen und die Argumente der Bürger:innen fundiert machen. Das Ziel: eine starke, informierte Position vor der Wahl, um Einfluss auf die Gestaltung des Projekts zu haben.

Fazit: Die Initiative arbeitet strategisch, um bereits vor der Wahl ihre Position zu stärken – ein entscheidender Faktor, um die Dimensionen und Auflagen des Projekts mitzugestalten. Angesichts des bisherigen mangelnden Interesses der breiten Öffentlichkeit ist dieses frühe Engagement besonders wichtig.

Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger:innen

Noch ist das Projekt nicht genehmigt. Möglichkeiten der Einflussnahme:

  • Politische Hebel: Ausschuss und Fraktionen prüfen Einsprüche gemäß § 36a BauGB.

  • Schriftliche Stellungnahmen: Fachlich fundierte Einwendungen zu Verkehr, Hochwasser, Lärm, Stadtbild.

  • Öffentliche Mobilisierung: Bürgerinitiative, Medienberichte und Unterschriftensammlungen nutzen.

  • Auflagen aushandeln: Höhe, Länge, Nutzungsmischung, Stellplätze, Lärmschutz.

Fazit:

Basierend auf Prognosen (6–10 Fahrten/WE, 20–50% Verlagerung): Nebenstraßen werden Ziel-, Quell- und Parkverkehr übernehmen. Vor der Haustür: Dichtes Einparken (keine Lücken, Manöver), höheres Stop-and-go-Lärm (+1–3 dB), sichtbarer Feinstaub auf Autos/Balkonen, Sicherheitsrisiken für Fußgänger (mehr Überqueren). In Stoßzeiten (7–9, 17–19 Uhr) Stau bis 100–200 m, tagsüber Lieferverkehr (2–5/Std.). Langfristig: +15–40% Belastung, vergleichbar Strundepark-Erweiterung.

Ohne Parkmanagement, Tempo 30 oder ÖPNV-Strengthening droht Überlastung. Anwohner fordern Gutachten und LAP-Umsetzung – die Politik muss handeln, bevor Strundorf unerträglich wird.