– und warum das geplante „Strundorfer Monster“ die Lage weiter verschärft
Wie muss ich mir das Projekt vorstellen?
Seit Jahren prägt der Strundepark als Gewerbe- und Einkaufsstandort das östliche Strundetal. Das Areal entstand auf dem Gelände der ehemaligen Locher Mühle, einem Industrie- und Spinnereistandort seit dem 16. Jahrhundert. Nach Einstellung der Produktion in den 1960er Jahren entwickelte sich das Gelände schrittweise zu einem Gewerbegebiet, das heute Nahversorgung, Fachgeschäfte und Dienstleistungen bündelt. (Wikipedia: Locher Mühle)
Discounternutzungen wie Lidl und Aldi prägen das Gelände schon seit den frühen 2000er Jahren, lange vor der Modernisierung des Strundeparks zwischen 2015 und 2017. Dabei wurden alte Hallen saniert, neue Gewerbemieter gewonnen (Deichmann, Takko, Alnatura) und die Flächen als Nahversorgungszentrum für die umliegenden Wohngebiete gestärkt. (EGK Immobilien: Strundepark Modernisierung)
Auswirkungen auf Verkehr und Nachbarschaft
Die Umstrukturierung hat den Verkehr spürbar erhöht:
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Kfz-Aufkommen: Durch zusätzliche Kundenströme aus der gesamten Stadt und dem Umland stieg die Belastung der Kürtener Straße deutlich. (Bürgerportal Bergisch Gladbach: Strundepark Verkehr)
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Lärm und Luftqualität: Mehr Fahrzeuge, Lieferverkehr und Parkbewegungen führen zu höherem Lärm und verschlechterter Luftqualität, auch in angrenzenden Wohnstraßen.
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Parkplatznutzung: Die Erweiterung und Verdichtung reduziert verfügbare Grünflächen und verlagert Verkehr in die Nachbarschaft.
Hochwasser als Folge der Versiegelung
Die historischen Flächen des Strundeparks und der neuen Parkplätze wirken sich stark auf die Hydrologie des Strundetals aus:
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Starkregenereignisse seit 2000: Die Strunde und ihre Nebenbäche (Hebborner Bach etc.) sind mehrfach über die Ufer getreten. Besonders dramatisch waren der „Jahrhundertregen“ am 20. Juni 2013 und die Überschwemmungen im Sommer 2021. Keller, Tiefgaragen und Gewerbeflächen standen teilweise mehrere Meter unter Wasser. (Bürgerportal Bergisch Gladbach: Hochwasser 2013/2021)
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Versickerung reduziert: Durch die Parkplätze, Fundamente und gepflasterte Hofflächen wird Regenwasser schneller abgeleitet, der natürliche Rückhalt reduziert.
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Folgen für Anwohner:innen: Steigende Grundwasserspiegel, feuchte Kellerräume, Schäden an Gärten und Böden.
🔹 Aus dem Lokalbericht von in‑gl.de (16. Juli 2021):
„Am Freitagmittag kam es im Bereich der Strunde zu Überflutungen. Keller und Tiefgaragen standen stellenweise mehrere Dezimeter bis über einen Meter unter Wasser. Einsatzkräfte von Feuerwehr und THW waren über Stunden im Einsatz, um Anwohner zu evakuieren und Schäden zu begrenzen.“
👉 Quelle: in‑gl.de: „Hochwasser hinterlässt schwere Schäden“ – https://in‑gl.de/2021/07/16/hochwasser‑hinterlaesst‑schwere‑schaeden‑bergisch‑gladbach‑rheinisch‑bergischer‑kreis/
🔹 Aus der offiziellen Meldung der Stadt Bergisch Gladbach (15. Juli 2021):
„Durch die massiven Regenfälle sind Bäche und Gewässer, darunter auch die Strunde, im gesamten Stadtgebiet über die Ufer getreten. Straßen wurden überschwemmt, Tiefgaragen liefen voll, und großflächige Schäden an Infrastruktur und privaten Gebäuden sind die Folge.“
👉 Quelle: bergisch‑gladbach.de: „Aktuelle Lage … gegen 23:00 Uhr“ – https://www.bergisch‑gladbach.de/news/35368/aktuelle‑lage‑in‑bergisch‑gladbach‑gegen‑2300‑uhr
🔹 Aus der Pressemitteilung von Polizei & Feuerwehr (Presseportal, 14. Juli 2021):
„Schwere Unwetter im Rhein‑Berg‑Kreis haben am Mittwochabend zu zahlreichen Überflutungen und Einsätzen geführt. Besonders betroffen war das Strundetal, wo überforderte Rückhalteanlagen für weiter steigende Wasserstände sorgten.“
👉 Quelle: presseportal.de – https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/116240/4968852
🔹 Aus dem Rückblick‑Artikel auf in‑gl.de (07. August 2021):
„Das verlängerte Unwetterwochenende im Juli führte zu extremen Pegelständen der Strunde, die selbst in Bereichen übertrat, die bislang als sicher galten. Viele Anwohner beschrieben, wie innerhalb weniger Stunden Straßen und Gärten überflutet wurden.“
👉 Quelle: in‑gl.de: „Wissen, was läuft … Rückblick auf Ereignisse der Flutwoche“ – https://in‑gl.de/2021/08/07/wissen‑was‑laeuft‑die‑woche‑in‑gl‑1‑bis‑7‑8‑2021/
Das „Strundorfer Monster“ verschärft die Lage
Das geplante 26 m hohe Wohn- und Geschäftshaus am östlichen Ende des Strundeparks würde die Situation weiter verschärfen:
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Ökologische Belastung: Zusätzliche Versiegelung, Tiefbau und Verdichtung erhöhen Hochwasserrisiken. Regen fließt schneller in die Strunde und überlastet Kanäle.
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Verkehr und Infrastruktur: 1.000–2.000 zusätzliche Fahrzeuge täglich, mehr Lieferverkehr, höhere Unfallgefahr an der Engstelle der Kürtener Straße.
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Soziale und städtebauliche Effekte: „Betonwand“-Effekt im Tal, Sichtbeziehungen gestört, Identität des Stadteingangs verändert, potenzielle soziale Spannungen durch hohe Dichte und eingeschränkte Infrastruktur.
Bürgerinitiative Strundorf – Engagement vor der Wahl entscheidend
Angesichts der massiven Auswirkungen für Nachbarschaft, Verkehr und Umwelt hat sich frühzeitig eine Strundorfer Bürgerinitiative gebildet, die das Bauvorhaben kritisch begleitet. Schon vor der Kommunalwahl ist ihr Engagement besonders wichtig, um Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen:
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Gründung und Vernetzung: Die ersten Treffen der Initiative fanden bereits im August 2025 statt, Monate bevor das Projekt öffentlich diskutiert wurde. Ziel war es, Probleme wie Verkehrsbelastung, Hochwassergefahr und bauliche Verdichtung gemeinsam zu identifizieren und Strategien für das Vorgehen zu entwickeln. (strundetaler.de)
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Öffentliche Sichtbarkeit: Das Projekt „Strundorfer Monster“ wird im Blog des Strundetaler aufbereitet, um Nachbarn zu informieren und Diskussionen anzustoßen. (strundetaler.de)
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Dialog mit Politik: Bereits im Spätsommer 2025 forderte die Initiative von lokalen Parteien konkrete Antworten zu Verkehr, Lärm und Hochwasserschutz ein, lange bevor die Wahlentscheidungen getroffen wurden. (in-gl.de)
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Einbindung der Nachbarschaft: Umfragen und Informationsweitergabe sollen eine breite Beteiligung ermöglichen und die Argumente der Bürger:innen fundiert machen. Das Ziel: eine starke, informierte Position vor der Wahl, um Einfluss auf die Gestaltung des Projekts zu haben.
Fazit: Die Initiative arbeitet strategisch, um bereits vor der Wahl ihre Position zu stärken – ein entscheidender Faktor, um die Dimensionen und Auflagen des Projekts mitzugestalten. Angesichts des bisherigen mangelnden Interesses der breiten Öffentlichkeit ist dieses frühe Engagement besonders wichtig.
Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger:innen
Noch ist das Projekt nicht genehmigt. Möglichkeiten der Einflussnahme:
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Politische Hebel: Ausschuss und Fraktionen prüfen Einsprüche gemäß § 36a BauGB.
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Schriftliche Stellungnahmen: Fachlich fundierte Einwendungen zu Verkehr, Hochwasser, Lärm, Stadtbild.
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Öffentliche Mobilisierung: Bürgerinitiative, Medienberichte und Unterschriftensammlungen nutzen.
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Auflagen aushandeln: Höhe, Länge, Nutzungsmischung, Stellplätze, Lärmschutz.
Fazit:
Der Strundepark zeigt, wie frühere Umgestaltungen das Viertel nachhaltig beeinflusst haben: Mehr Verkehr, steigende Hochwassergefährdung, reduzierte Versickerung und Lärmbelastung. Das geplante „Strundorfer Monster“ würde diese Trends fortsetzen und verschärfen.
Informierte und aktive Bürger:innen können mit Einwänden, Stellungnahmen und Engagement Einfluss auf die Dimensionierung und Umsetzung nehmen – gerade jetzt vor der Kommunalwahl ist das besonders entscheidend.