Zwei Petitionen zum gleichen Thema habe ich in der vergangenen Woche vorgestellt. Mittlerweile habe ich eine der Petitionen unterzeichnet. Das war nicht selbstverständlich. Denn eigentlich bin ich kein Freund von Tempo 30-Zonen.

Doch die Entwicklung der letzten Jahre hat meine Meinung geändert. Jeden Tag wälzen sich Metallströme über die Straße vor unseren Häusern. Je nach Tageszeit kriechen sie stadtein oder stadtaus. Sie lärmen, sie stinken, sie machen eine Überquerung der Straße für viele zur Gefahr.

Was für den Fahrer nur Ausdruck von persönlicher Freiheit ist, ist für hunderte von Anlieger Zwangsbeschallung durch Musik, Telephonate, Klingeltöne, die aus den Fahrkabinen dringen.

Nachts dagegen nutzen Auswärtige die freie Bahn und rasen an den Häusern vorbei oder cruisen um den Strundorfer Kreisel.

Die Kritiker der Tempo 30-Zonen argumentieren – aus meiner Sicht – wenig logisch:

Tempo 30 würde zur Störung des Verkehrsflusses und Rückstaus führen? Es sind plötzlich ausscherende Fahrzeuge, Ein- und Ausparker, Fahrradfahrer, Fußgänger und Tempounterschiede, die zu Bremsmanövern führen, und der tägliche Stau verlangsamt den Verkehr ohnehin schon spürbar. – Tempo 30 verlangsamt also nur insgesamt den Verkehr und macht viele Bremsmanöver außerhalb der Stauzeiten unnötig.

Die geringe Akzeptanz würde den Sinn einer Tempo 30-Zone in Frage stellen, führen die Kritiker an. Nun, der Sinn der Gurtpflicht wurde auch einmal in Frage gestellt. Doch eine konsequente Kontrolle und auch Strafen haben sie durchgesetzt. Wenn also Autofahrer kontrolliert und auch bestraft würden, würde Tempo 30 nicht mehr ignoriert.

Am interessantesten aber erscheint mir das Argument, die Verkehrsbelastung sei eine bewußte Inkaufnahme der Anwohner. Tatsache aber ist, daß viele der Häuser in Strundorf schon seit mehr als 100 Jahren in Familienbesitz sind. Viele Anwohner leben nicht seit 1, 2 oder 5 Jahren hier, sondern seit Jahrzehnten. Wir haben es uns nicht ausgesucht. Wir haben uns den Anstieg des Verkehrs nicht ausgesucht, den systematisch herbeigeführten Parkplatzmangel. Wir haben uns nicht ausgesucht, daß unsere Vorschläge zur Verringerung des Verkehrsaufkommens abgebügelt wurden mal wegen des Umweltschutzes, mal wegen der Kosten.

Ich verstehe, daß das für Auswärtige, die sich durch Gladbach mit dem Auto quälen müssen lästig ist. – Doch wer nicht nur durch die Stadt fahren will, sondern hier lebt, der wird für Tempo 30 sein. Ich bin es mittlerweile auch. Und ich wäre dringend für Maßnahmen zur Verringerung des Verkehrsaufkommens.

Ich unterstütze daher die Petition der Befürworter einer Tempo 30-Zone. Sie sollten Sie auch unterzeichnen: Nutzen Sie den QR-Code oder zeichnen Sie unter https://c.org/zHy2JNgKGQ

C.G.